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Idylle in der Allermarsch

„Was für eine Idylle!“ Die alte Dame stoppt ihr Fahrrad auf dem Deich an der anderen Seite der Aller und schwärmt: „Die Reiter auf den Wiesen vor dem Dom. Unser kleines Verden, das hat schon was.“ Renate Rosebrock ist 87 und erinnert sich an ihren verstorbenen Mann. „Der ist früher hier auch mitgeritten. Das ist heute mein Vermächtnis, dass ich am Jagdtag hierher komme und mir das jedes Jahr wieder angucke.“

Gut dreißig Reiter kann die Radfahrerin heute sehen. Sie haben sich auf dem Holzmarkt vor der Bronze-Statue das Tempelhüter am Pferdemuseum gesammelt und sind hinter den Hunden der  Niedersachsenmeute durch die Innenstadt gezogen.

Samstag Vormittag – Passanten und Verlockungen überall, aber die Hunde kennen die Aufgabe, seit 90 Jahren schon. Leonard v.Schultzendorff und seine Equipage führen die Meute durch eine Gasse bis vor die denkmalgeschützten Fischerhäuser, die sich zwischen Dom und Aller ducken, bahnen sich den Weg in die Wiesen, wo Monja Rohricht zum ersten Mal den Hahn am Schleppgeschirr aufdreht. Katharina Behrendt zeigt ihr den Weg.



In drei Feldern setzen sich die Reiter in Bewegung. Direkt hinter den Hunden führt Jörg Schultz, das zweite Feld leitet Fred Behrendt, und Karl Wallis als Jagdherr übernimmt das Feld der Galoppierer. Die anhaltenden Regenfälle haben den Streckenplanern einiges abverlangt, aber letztlich wurde nur eine der bekannten Hecken ausgelassen.



Der Boden zieht Eisen, hält aber doch besser als erwartet. Die Sprünge sind wie immer einladend, und Friedemann Vorwerk nimmt sie alle – auch wenn ihm vor dem Hauptstopp in Ahnebergen ein Bügel und der Zügel reißen. „Die letzten zwei ganz ohne – aber ich bin nicht runtergekommen.“


Leuchtende Kürbisse schmücken den Halali-Sprung vor der Mühle Hönisch, wo auch Schafe im Pferch zusehen. Die Bläser der „bien aller“ haben die gesamte Jagd begleitet. Jetzt geben sie noch einmal alles. Strahlende Gesichter bei der Verteilung der Brüche. Auch die beiden Neulinge sind hoch zufrieden mit ihrer Premiere. Leonie auf der 1,14 großen Shettie Stute Käthe und Felicitas haben Blut geleckt.


Renate Rosebrock ist nicht mehr dabei, aber andere Zuschauer sind eigens angereist, um das Finale mitzuerleben. Markus Wolff, Ausbilder und Leiter einer Verdener Hundeschule (und Frisbee-Weltmeister mit einemn Mallinois-Schäferhund): „Es ist absolut erstaunlich, diese Meutehunde zu beobachten.“

Es ist das „Auge fürs Detail“, das diese Traditionsjagd des Verdener Schleppjagdreitvereins in der Allermarsch auszeichnet. Casimir v.Schultzendorff und sein Bruder Leonard loben bei der Jagdkritik im Rahmen der Kaffeetafel im "Niedersachsenhof" nicht nur aus Höflichkeit.
Text und Bilder: PS