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Lange ein Duo: Schleppjagd und Kavallerie

Schleppjagd des Deutschen Kavallerieverbandes: Historisches Jagdreiten vor geschichtsträchtiger Kulisse mit den sportlichen Beagles der Frankenmeute. Wie das Kavalleriereiten ist auch das Schleppjagdreiten eine alte, Jahrhunderte lang gepflegte Tradition und wertvolle, aber aus dem Fokus gerückte Sparte der Ausbildung von Reiter und Pferd. Beide Disziplinen des Reitsportes waren lange eng miteinander verwoben und stehen heute gemeinsam vor der Herausforderung, das reiterliche Geschehen aktiv mit zu gestalten und das Wissen und die Traditionen für die Zukunft der Reiterei zum Wohle der Pferde zu bewahren.

Vielen Reitern ist heutzutage nicht mehr wirklich bewusst, dass die Wurzeln der Reiterei in den Kavalleriereitschulen gelegt wurden. Die Kavallerie war über Jahrhunderte der Hort dieser Reitkunst, denn für den Kavalleristen war ein gut und vielseitig ausgebildetes, gesunderhaltend trainiertes Pferd im Ernstfall überlebensnotwenig. Darum war auch die oberste Regel stets: brauchen ohne zu verbrauchen! Die Richtlinien Reiten der FN heute gehen in Teilen auf diese alten Heeresvorschriften zurück. Teil der Ausbildung damals war auch immer das Jagdreiten, lernten dort die jungen Pferde doch Vertrauen in sich und den Reiter zu fassen und konnten im frischen Vorwärts Balance und Gleichgewicht finden. Der Deutsche Kavallerieverband hat sich diesem sportlichen, kavalleristischem Reiten unter der Leitung des ersten Vorsitzenden Peter Lachenmayer verschrieben und widmet sich der lebendigen Darstellung deutscher Kavalleriegeschichte. Im Vordergrund steht die Vermittlung und Wiederentdeckung des Gebrauchsreitens, wie es in Deutschland vornehmlich durch die Kavallerieregimenter in den vergangenen Jahrhunderten gepflegt und getragen worden ist, sowie das vertraute Zusammenspiel von Pferd und Reiter.


Dem historischen Erbe dieser Jagd trug dann auch der Rahmen des Events im Deutschordensschloss Ellingen im schönen Franken Rechnung. Von 1216 bis 1789 war Ellingen Residenz des Landkomturs der Ballei Franken des Deutschherrenorden, einer römisch-katholischen Ordensgemeinschaft, die mit anderen in der Nachfolge der Ritterorden aus der Zeit der Kreuzzüge steht. Die Stadt Ellingen ist der Tradition der Jagd eng verbunden und freute sich außerordentlich zum dritten Mal Gastgeber der Schleppjagd zu sein, wie der erste Bürgermeister Walter Hasl in seiner Ansprache betonte.



Der Einladung des Deutschen Kavallerieverbandes zur traditionellen Schleppjagd unter der Jagdherrschaft von Jagdherrn Helmut Brodka folgten an diesem Herbsttag rund fünfzig Reiter und trafen sich zum Stelldichein im Ochsenstall des Ellinger Schlosses. Nach einem guten Frühstück trafen sich alle zu Pferde im Wirtschaftshof des Schlosses. Hier kamen die Nicht- Kavalleristen in den Genuss zu lauschen, wie die Kavalleristen ihre Tagesorder erhielten. Ernst – aber nicht ohne ein kleines Augenzwinkern – wurden den Reitern in schönster Weise vermittelt, wie sie sich auf der Jagd zu verhalten haben: geritten wird nach Vermögen und Können, und nicht nach Rang, Position ist zu halten und man darf als Kavallerist erforderlichenfalls auch unter Nicht- Kavalleristen reiten.


Mit den Beagles der Frankenmeute ging es aus Ellingen heraus auf die sportliche Strecke von fünfzehn Kilometern mit insgesamt neun, zum Teil langen Schleppen und einigen sportlichen Sprüngen. Und so wurden Geschichte und Tradition ganz reale pferdesportliche Herausforderung die es zu meistern galt -hügelan und hügelab, über Wiesen, Wege und Gräben, um Wendungen herum – immer den schnellen Beagles nach.


Die Beagles waren eifrig und schnell wie immer dem Trittsiegel des Schleppenlegers auf der Spur. Sie jagten die Bodenverletzungen ab, die das vorausreitende Pferd des Schleppenlegers verursachte und nutzten ihre feinen Nasen, denn Beagles jagen eben nicht auf Sicht. Das haben sie zusammen mit ihren Eifer dann auch gleich unter Beweis gestellt, als das Jagdfeld am Schafspferch ihren Weg gekreuzt hat – erschnuppert und losgeflitzt ist eins bei diesen jagdbegeisterten Blitzen. Master Uwe Hochbrückner rief sie mit seinem Horn zur Ordnung und obwohl die sensiblen Beagles sonst eher milde Töne gewohnt sind, gab es da schon einmal einen ersten Verweis. Warten und Geduld haben bis sie wieder jagen dürfen, ist jetzt nicht gerade des Beagles Hauptcharakterstärke. Die schwierige Streckenführung mit einigen Wendungen ohne natürliche Begrenzung bei denen die Hunde leicht überschießen und der zeitweilige Wind der die Spur verschleppte, machten es den Hunden schwer, aber sie schafften es schnell diese Herausforderungen zu meistern. Hier zahlt sich einmal mehr die intensive Arbeit des Masters und seiner Equipage mit den Hunden aus.


Das jagdliche Erleben rundete das Bayerische Trompeterkorps in historischer Blechblasbesetzung ab, beim Stelldichein, während der Jagd und bei der Curée. „Ein Musikgenuss der herausragenden Art!“, fanden die Zuhörer. Alle lauschten begeistert den hervorragend vorgetragenen Stücke und Signalen und viele hätten sich noch ein paar Stücke mehr gewünscht beim abschließenden Essen.
Peter Lachenmayer bedankte sich beim Jagdherren Helmut Brodka und übergab einen Jagdrucksack mit wertvollen Hilfsmitteln für die anstehende Jägerprüfung und Master Uwe Hochbrückner überreichte einen Blumenstrauß.


Illustre Gäste verfolgten die Jagd. Ganz besonders erwähnt seien: als Besucher Elke Herzog vom Hamburger Schleppjagdverein, aus Franken stammend und auf Familienbesuch weilend und aktiv mitreitend Bruno Six, die Reitsportikone Bayerns, bekannt als Richter, Parcourschef, Vielseitigkeitsreiter und Kommentator.


Diese Jagd spannte auf wunderbar harmonische und unkomplizierte Weise den Bogen von der Reit- Geschichte mit dem Deutschen Kavallerieverband zu der modernen, sportlichen Schleppjagd mit der Frankenmeute. Es kam zusammen, was schon immer zusammen gehörte.

Familiär ist es immer, wo die Frankenmeute antritt, aber in Ellingen wurde eine neue Stufe erreicht. Hier war die Jagd gar eine Familiensache: Unter den vielen Helfenden vor Ort waren die Familie Ludwig Kirchdorfer, die Familie Bernd Kirchdorfer und “all die Tanten, Onkel und Cousins des Präsidenten der Frankenmeute, die Sprünge aufgebaut, Gräben ausgemäht und gesichert, Strecke präpariert, Brüche gebunden, Kuchen gebacken, Raum dekoriert haben, Zuschauerkolonne geführt und so vieles mehr getan haben, was alles für das Gelingen einer Jagd erforderlich ist.“ Sven Luft und Hubert Schweinesbein organisierten Gastboxen, so dass weit Angereiste ihre Pferde am Vortag gut untergebracht wussten.

Aus diesen vielen vermeintlich kleinen Dingen wurde auch in diesem Jahr wieder ein großes, herzenswarmes Ganzes.

Mehr Foto-Impressionen aus Ellingen:

Text: Reinula Böcker und Fotos: Stefanie Empter, Doris Frank-Schneider, Dana Krimmling, Klaus Schreiber und Hermann Zacher.