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Bückeburg - mehr Irland geht hier nicht

Was ist gutes Wetter? Das empfindet jeder anders. Philipp Jakob war in Bückeburg und behauptet „Mehr Irland geht hier nicht.“ Er verfasste für uns eine „Ode an Schiet-Wetter“. So schön kann kalt und nass sein… - findet er.

"In der Nacht von Freitag auf Samstag wurde ich durch ein Gewitter wach. Es regnete stark, so dass ich nur noch in einen leichten Schlaf verfiel. Insgeheim hoffte ich, dass es tagsüber zur Jagd ruhig auch mal bei diesem Wetter bleiben könnte. Wir stehen am Beginn der Saison, das Laub wechselt bereits langsam das Sommerkleid zum Herbstgewand und alle lieben wir einen Sport, der seine Blüte in der nasskalten Jahreszeit hat. Weshalb also immer nur bei gutem Wetter reiten! Mir fielen vergangene Jagdtage ein, an denen man von Schauern überrascht wurde. An denen man im Schneesturm ritt. Tage, an denen der Schönwetterreiter seinem Pferd mit Schweifspray im Stall auf die Nerven geht. Ich aber hatte an solchen Tagen mit meinen Jagdkameraden zusammen gefroren. Das Wetter kurzzeitig verflucht. Whisky aus dem Flachmann getrunken. Mich mit der Natur auseinander gesetzt. Und war stolz darauf! Insgeheim hoffte ich, dass es tagsüber zur Jagd ruhig auch mal bei diesem Wetter bleiben könnte.
Der Wecker klingelte. God save the Queen. Es regnete. Ich dachte an den Jagdherren, der garantiert betrübt zu Hause am Frühstückstisch sitzt. Wohl wissend, dass heute nur wenige Reiter zu seiner Jagd kommen würden. Ich wollte ihm eine SMS senden: „Michael, ich kneife nicht!“ Aber ich war bereits auf dem Weg in den Stall. Die Fahrt zur Jagd war durchwachsen. Mal Sonne. Mal Regen. Im CD-Fach lief französische Jagdmusik. Heißer Kaffee. Matschwetter. Sitzheizung. Vorfreude und die Klänge der Trompe. Mein Tag begann wie im Märchen.


Zum Stelldichein tatsächlich nur ein paar Reiter. Der Jagdherr nahm es mit Humor. Wir legten auf einer kleinen Wiese nahe einer Baumreihe an. Die Hunde wurden laut. Bei dieser Witterung können die Harrier nur so aus den Vollen schöpfen. Im Jagdgalopp ging es voran. Graben. Weg. Graben. Wiese. Weiter. Eine ordentliche Hecke folgte leicht bergauf. Vor einem Windschutz stoppten wir. Michael bot seinen Flachmann an. Die Pferde waren relaxed. Erneut wurde vor dem Unterholz angelegt und im flotten Tempo ging es in Richtung eines Oxer, ideal platziert zwischen zwei Bäumen. Die Hunde führten uns zielgerichtet über breite Gräben durch das nasse Grün. Es war ein Genuss. Steilsprung, Graben, Steinmauern und Wall. Bückeburg. Ein Ort. Ein Tag. Eine Jagd. Großes Kino. Kerrygold-Feeling auf dem Breitengrad der A2. Auf dem Rückweg zum Mausoleum, wo die Hunde obligatorisch ihren Rinderpansen erhalten, brach ein Schauer über uns herein. Platzregen. Wir wurden nass bis auf die Knochen. Das Halalifeuer qualmte mehr, als dass es brannte. In uns aber brannte das Feuer der Begeisterung und der Euphorie. Heute stimmte einfach alles. Insgeheim jubelte ich, dass es tagsüber zur Jagd ruhig auch mal bei diesem Wetter geblieben ist.
Am nächsten Morgen ist der Matsch an meinen Reitstiefeln getrocknet und dick verkrustet haften geblieben. Ich beginne sie zu säubern. Erstmal mit dem Hufkratzer.



Text: Philipp Jakob
Bilder: Privat und Sabine Sievers. Mehr von ihr unter  sabinesievers.de/jagden/jagden-alt/30-9-b%C3%BCckeburg/

Und noch ein Wetterbericht:, diesmal von Harald Küfe. Er hat das Rüdenpack der Böhmer Harrier an diesem Tag in Bückeburg geführt, weil die Meute einen Doppeltermin hatte. Auch er sagt “Gottseidank hat es geregnet.“ Seine Argumentation ist allerdings rein praktischer Natur. Bei trockenem Wetter hätte er als Landwirt nämlich ins Heu gemusst. Wegen anhaltender Nässe liegt es immer noch als Gras auf der Wiese. Schlechte Nachricht – mehr für die, die Pferde zu füttern haben im kommenden Winter als für Jagdreiter.
                                PS