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Lüften Sie die Spiegel

Das war ein Einstand nach Maß für den neuen Jagdleiter des Verdener Schleppjagd-Reitvereins. Zum ersten Mal war Karl-Kristian Wallis als Jagdherr zuständig für die Ausrichtung, und er hatte große Schuhe zu füllen: Vor 50 Jahren gab es die erste Frühjahrsjagd im Stadtwald der Reiterstadt und zum ersten Mal seit 15 Jahren war nicht mehr Niclas Kutzer federführend. Die Bilanz der Premiere: Sonne und 70 Reiter hinter der Niedersachsen-Meute mit Master Egbert v.Schultzendorff. Läuft!

„So viele sind schon seit Jahren nicht mehr hier gewesen“, freute sich die Vorsitzende Sabine Behrendt, die das beurteilen kann, denn schon ihre Eltern waren Mitglied im VSJRV, den alle nur „Schleppi“ nennen. Und Behrendt kann es auch nachlesen, denn sie erhielt zum Ende des Tages von Niclas Kutzer das jüngste vollgeschriebene Jagdbuch – zur Einlagerung im Archiv des Deutschen Pferdemuseums wo alle Unterlagen des Vereins aufbewahrt werden, der auf sein 100stes Gründungsjahr zugeht.



Stelldichein und kleines Frühstück vor der „Verdener Burg“, dem Wahrzeichen des Magic Park („Deutschlands einziger Freizeitpark der Magie“) - schon da zeichnete sich ab, dass es ein besonderer Tag werden würde, umrahmt von den Fanfaren der „bien aller“, die in Verden zu Hause sind. Mehr als 300 ausgediente Weihnachtsbäume hatten der Jagdleiter und Jörg Schultz, zuständig für die Verdener Herbstjagd, an den 25 Hindernissen zum Begrenzen und Stopfen verwendet und die Strecke auf sandigem Heideboden war dementsprechend perfekt für die Reiter in drei Feldern. „Das ist schließlich unser Anspruch“, bekräftigte Niclas Kutzer, der nur noch aus dem Hintergrund sanft führte.

„Das war phantastisch“, fand auch Astrid Mendyk, die mit ihrer 25 Jahre alten Stute mehr als zwei Stunden Anfahrt in Kauf genommen hatte, und am besten fasste (wieder einmal) Ellen-Antje Lamcken zusammen was auf fünf Schleppen hinter 12,5 Koppeln Foxhounds im Auf und Ab des Stadtwald geboten wurde. „Die Hunde gingen ab wie ein Sack Mücken und mein Hirn hing im Geäst.“ Das Erste stimmt, und Letzteres war übertrieben, denn zum Schüsseltreiben im Niedersachsenhof war die Vorzeige-Pikörin der Niedersachsen-Meute so fröhlich und beredt wie immer. Alles war mitgekommen in den rechtwinkligen Kurven und im dichten Geäst, nix ist hängengeblieben. War alles noch da.



Auf eine Jagdkritik wird traditionell verzichtet bei der Frühjahrsjagd, aber Rolf Junge (Einbeck) hielt trotzdem eine Rede „als einer, der auch die erste Jagd im Verdener Stadtwald mitgeritten ist.“ Für das fulminante Horrido auf die Hunde und die Jagd fand er eine stimmige Aufforderung: „Lüften Sie den Spiegel“. Das haben auch die verstanden, die keinen Jagdschein haben und sind flugs aufgestanden.  



Der Rest des Tages gehörte dann Dagmar Ahrens. Als Anführerin im zweiten Feld hatte die Schriftführerin des „Schleppi“ schon tüchtig Schwung geholt und der Abend im Borsteler Hof gehörte einer Überraschungsparty zu ihrem runden Geburtstag, die trotz der vielen geladenen Gäste tatsächlich bis zum Schluss eine Überraschung geblieben war. Das war spitze!


Text und Fotos: PS
Mehr Bilder bei Claas Teske unte  claasteske.de und bei Ingo Wächter unter facebook.com/ingowaechterimages