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Ritt durch die Zeit - wie es damals war

Das reitende Klassenzimmer – oder: warum machen die das eigentlich, sich eine rote Jacke anziehen und bei Wind und Wetter querfeldein galoppieren? Viele Orte rund um Isernhagen erzählen viele Geschichten. Die besten davon haben die Veranstalter des Jubiläums „150 Jahre Schleppjagd in Deutschland“ bei einem „Ritt durch die Zeit“ noch einmal erzählt. Knapp 80 Reiter haben den „Unterricht“ interessiert verfolgt.  

„Wie alles begann“ – das vermittelte am Tag nach der Jubiläumsjagd Wolfgang Kailing als Organisator einer Zeitreise durch die Geschichte von Hannover als Reiterstadt. Atmosphärisch dicht und gespickt mit Anekdoten war der Ritt durch die Auen der Wietze und die Isernhäger Feldmark bei dem er mit Eugen Klein und dem Master als Moderator antrat.

Gäste aus ganz Deutschland waren dazu mit ihren Pferden und zum Teil historisch gewandet angereist. Dabei nahmen sie zum Teil weite Anreisen in Kauf. Eigens für den Ritt war Reiner Ditz aus Holzkrug bei Zarrentin am Schaalsee aus Mecklenburg gekommen. Er trug eine Replika der Uniform seines Großvaters, der im Mecklenburgischen Dragoner Regiment 17 gedient hat. Julia Läßig hatte den Damensattel auf ihren neuen Schimmel gelegt und sich und ihren „Maddin“ in die Tracht der Parforce Jäger am Hof des Landgrafen Ernst-Ludwig von Hessen-Darmstadt gesteckt. Auch „Die drei Grazien“ konnten sich sehen lassen: Anja Cohrs-Schultz, Wiebke Müller und Sonja Woost hatten sich eigens zeitgemäße historische Kostüme besorgt. „Aus dem Internet!“ Philipp Jakob unterstrich formvollendet wie immer seinen Ruf als „der Knigge des Jagdreitens“, inklusive Zylinder wie ihn auch die Veranstalter trugen.


„Das historische Gasthaus von Heimberg in der Hohenhorster Bauernschaft“ hat schon Hermann Löns im Jahr 1904 als Stelldichein-Platz beschrieben. Heute heißt es „Voltmers Gasthof“ und ist weiterhin ein wichtiger Punkt auf der Landkarte der Jagdreiter in Norddeutschland. Bernhard Oppermann, lange Jahre Veranstalter der Isernhagener Jagd, berichtete was sich vor Jahren am Halali-Platz zugetragen hat als Viktoria Luise, die Tochter des letzten deutschen Kaisers die Brüche verliehen hat. Und dann die Wietze! Das Gewässer ist früher fliegend übersprungen worden, und auch dazu gab es die entsprechenden Histörchen, von Generälen in peinlichen Situationen und von tollkühnen Schwimmern. In jeder längeren Beschreibung längst vergangener Jagden spielt das Wasser der Wietze eine Rolle.



Wolfgang und Gerhild Kailing und ihre Töchter hatten ihren idyllisch in der „Seestadt“ Maspe gelegenen Hof für den Hauptstopp hergerichtet. Dekorativ leuchteten die Kürbisse, ein Feuer brannte, dampfende Suppe, knuspriges Brot, Jagdsignale der Fermate und noch mehr Geschichte: Die Historikerin Vanessa Erstmann berichtete über Hannover als Reiterstadt.

(Den Vortrag lesen Sie hier). Und es wurde auch die Schleppjagd in der Kunst gestreift. Der Maler Robert Hettich enthüllte seine Darstellung einer Drei-Meuten-Jagd – auch hier die Wietze als Motiv, und Camill v.Dungern erläuterte die Hintergründe. Er selbst war auf dem Bild unschwer auszumachen. Er trug dasselbe Plastron wie damals als er Modell gesessen hat.  



Ob die Dressurreiter alle verstanden haben, warum manche so „bekloppt“ sind und bei Wind und Wetter satteln für eine Freiheit im Galopp? Die Pferde der Dressurreiter haben jedenfalls gut mitgemacht bei dem Ritt, den Wolfgang Kailing als „ohne sportliche Herausforderungen“ angekündigt hatte. „Ich war sehr überrascht wie gut das ging mit so vielen Pferden“, zeigte er sich hinterher erleichtert. Was jedes erfahrene Jagdpferd schon lange weiß haben die unerfahrenen Rösser jedenfalls auch gelernt: Ein Tablett mit Gläsern darauf ist nicht lebensbedrohlich – aber es scheppert, wenn man den Kellner schubst.   



Ganz im Stil der „alten Zeiten“ beschloss ein großartiger Ball als gesellschaftlicher Höhepunkt das Jubiläumsfest. Und wie das bei Jagdreitern so geht: Die Musiker sind zweimal in die Verlängerung gegangen, und es ist wohl auch „Jumping Powder“ zum Einsatz gekommen. So nannte man im Militärreit-Institut gewisse Mutmacher in kleinen oder auch größeren Gläsern. Auch diese Vokabel war Teil des Lehrstoffs, der bei dem amüsanten „Ritt durch die Zeit“ vermittelt wurde.


Text und Fotos: Petra Schlemm