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Isernhagen - Adrenalin seit 150 Jahren

Ein Datum lesen und zur Kenntnis nehmen und dann etwas daraus machen. Das geschieht nicht automatisch. Eugen Klein hat etwas daraus gemacht als er beim Quellenstudium zu seinem Steckenpferd Isernhagen auf die Zahl 1867 gestoßen ist. Damals zog die preußische Militär-Reitschule um aus dem brandenburgischen Schwedt an der Oder nach Hannover. „150 Jahre Schleppjagd in Deutschland“ wurde die Arbeitszeile, und in Zusammenarbeit mit dem Master der Niedersachsenmeute, Camill v.Dungern und dem ortskundigen Jagdreitenden Mitstreiter Wolfgang Kailing ist daraus ein großes Event geworden.
 

„Tradition entsteht nicht von selbst sondern wird von Menschen gemacht“, findet Camill Freiherr v.Dungern. Demnach haben sehr viele den Boden bereitet für das festliche Jubiläum, das zum Hubertustag in Isernhagen gefeiert wurde. Seit 40 Jahren Master der Niedersachsenmeute, ist v.Dungern selber ein Teil der Tradition von Isernhagen, zumal die Hunde der Familie seines Schwiegervaters ihre Ahnen ebenfalls auf Hannover zurückführen. Sie sind aus der Meute der Kavallerieschule hervorgegangen. Christian von Loesch hat nach dem zweiten Weltkrieg mit deren Restbeständen die Niedersachsenmeute aufgebaut.

Vor 150 Jahren hat der „Reit-Jagdverein“ aus Offizieren der Kavallerieschule es geschafft, die Schleppjagd als Mittel zur Ausbildung von Reiter und Pferd zu etablieren und dafür sogar staatliche Unterstützung zu generieren. Pferde, Hunde und selbst der Unterhalt von Personal wurden „von oben“ subventioniert. Heute weht ein anderer Wind, und dementsprechend hoch einzuschätzen sind die Zusicherungen, die jetzt beim Jubiläum gegeben wurden. Der Kommandeur des Landeskommando Niedersachsen, Kapitän zur See Berend Burwitz versprach den Jagdreitern weitere Unterstützung und erlaubt demnach auch zukünftig die Nutzung des Truppenübungsplatzgeländes, wo 1867 das Militärreit-Institut Hannover die Schleppjagd „erfunden“ hat. Auch Michael Dette, stellvertretender Regionsverbands-Vorsitzender der Grünen, lag „der Erhalt hannoverscher Tradition am Herzen“. Und das trotz  des lang andauernden Disputs um ein pferdefeindliches Landschaftsschutzgebiet in Isernhagen und obwohl er selbst vor 41 Jahren den Truppenübungsplatz im Rahmen der Grundausbildung kennengelernt hat. „Auf Augenhöhe der Hunde“, wie er im Rückblick vermutete.



Ein sonniger Herbsttag – das Wetter passte zum Anlass. Sechzig Reiter hatten gesattelt für den Kurs über sechs Schleppen mit gut 30 klobigen Hindernissen, Gräben und Wasserdurchritten. Lisa Klein und Hermann Kröger (Hamburger Schleppjagdverein) führten die springenden Felder. Die unverwüstliche Ursel Bülthuis (76) zeigte den berittenen Zuschauern im „Genießerfeld“ die besten Punkte zur Beobachtung der Hunde. Camill v.Dungern hatte die Equipage dem Anlass entsprechend besetzt mit zweien seiner Kinder, Cosimo und Celestina, Kirsten Peters und Mechthild von Lucke mit dem Schleppgeschirr. 

Gäste von anderen Meuten waren ebenfalls zugegen, die größte Abordnung von der Taunusmeute um Julia Läßig. Vogelsberger, Rheinland-Meute, Beagle-Meute Münsterland – wer nicht selbst am Hubertustag jagdlich „gefordert“ war, der stellte sich den Anforderungen von Isernhagen. Nicht zu Unrecht gilt Isernhagen als eine der anspruchsvollsten Jagden Deutschlands – wenngleich heute nur noch eine weichgespülte Version der frühen Jahre, wo die Schleppen laut Jagdchroniken mitunter sechs Kilometer lang und die Hindernisse bis 1,50 Meter hoch gewesen sein sollen.


Der Boden auf dem Truppen-Gelände war besser als befürchtet, in der Feldmark entsprach er den Erwartungen. Spätestens nach dem Stopp zeigte sich, wer sein Pferd richtig vorbereitet hatte. „Mann, sind diese Hunde schnell“, pfiff mancher Gast ehrlich auf dem sprichwörtlichen „letzten Loch“. Die Sanitäter war einmal im Einsatz, aber den Passagier hielt es nur bis zum Abend im Krankenhaus. Den Stiefelball in der Reithalle nach dem traditionellen Grünkohlessen hat er zwar verpasst, aber sein Anzug wäre auch unzureichend gewesen. Er soll im Krankenhaus-Kittel im Stall gesichtet worden sein….


Text und Fotos: Petra Schlemm