Diedersdorf ist (nicht nur) eine Reise wert

„Also, wenn Du schon zur Luisenjagd in Potsdam bist, dann kannst – nein, dann musst Du aber auch die BHC Abschlussjagd in Diedersdorf eine Woche später hinter unseren Mecklenburger Hunden reiten“! So die klare Order von Detlef Neumann in seiner Doppelfunktion als Vizemaster der Mecklenburger Meute und guter Freund. Und wo er Recht hat, hat er Recht. Nur aus dem „hinter den Hunden…“ wurde nichts; in Anbetracht der jagdlichen Unerfahrenheit meines Jungfuchses wurde mir das Privileg zuteil, Marie-Christin Stammann und Bernd Schiel auf der Schleppe begleiten zu dürfen!

Die Woche zwischen den beiden Jagden war bestens ausgefüllt. Frühlingshaft (lau)warmes Wetter, abwechselnd zaunfreie Wiesen und Wälder, und ein wohltuend liberales „Reitgesetz“ erlauben Galopps „bis der Schmied kommt“; wirklich Extraklasse! Und dann noch unser abendlicher Auftritt im Schlosshof als Statisten für die „Fernseh-Vorschau auf Diedersdorf“ des RBB  (Schleppjagd24 berichtete); da wiehern meine beiden Hunter heute noch vor Stolz und Begeisterung.



Und stimmungsmäßig richtig jagdlich wurde es ab Freitag Abend. Zunächst trafen Detlef, Ann-Christin, Marie-Christin, Annette und Hans mit Hunden und Pferden ein, gefolgt von den Bläsern der Formation „Les Trompes du Val du Rhin“, und die können ihre Trompe weiß Gott zum Jubeln und die Ohren und Herzen ihrer Zuhörer zum Glühen bringen. Jedenfalls wurde es ein sehr herzlicher Abendkonvent im Restaurant „Pferdestall“ des Diedersdorfer Schlosses.



Der Jagdtag präsentiert sich schon früh morgens in Ausgehuniform; blauer Himmel über Sonnenschein, frischer Wind und buntes Herbstlaub – schlicht perfekt. Musikalische Begrüßung der Reiter und Zuschauer durch die wiederum putzmunteren Bläser, reichliches Frühstücksbuffet in der „Schmiede“, Stelldichein unter den Bäumen des Biergartens – und dann Gute Jagd.



Antje Bosse hatte mit der tatkräftigen Unterstützung des Revierleiters und der Landeigner eine größtenteils über freies Gelände führende Jagdstrecke entwickelt, so dass die Schleppen nachgerade lehrbuchmäßig in weiten, aber auch mal in engen Bögen angelegt werden konnten und so die Jagdfelder wie auch die Kremserbesatzungen praktisch an jedem Punkt die Arbeit der Hunde vor Augen hatten. Da lässt sich dann auch mal ein Überschießen demonstrieren, und der Wind trug auch das Seinige dazu bei, um die Hunde zu fordern. Fröhliche Zwischenbilanz beim bestens versorgten Stopp, und ein Kompliment auch an das lokale Rehwild. Das nahm die Sache sportlich, wohl wissend aus den Erfahrungen der Vorjahre, dass die Meute nur mal eben „Guten Tag“ sagen und dann sofort wieder dem Horn des Vizemasters folgen würde, was auch prompt so geschah. Jedenfalls Chapeau der Hundeführung.



Zusammenfassend ist Diedersdorf eine Jagd, die dem Feld bei bestem Galoppieren ein Höchstmaß an Hundearbeit beschert, so dass Sprünge hier eigentlich verzichtbar wären. Aber es geht weiter.


Curee und Brüche wiederum im Biergarten, danach Versorgen der Pferde. Im Schlosshof ist ein hoher Scheiterhaufen errichtet, und als es gegen 16 Uhr schon richtig dunkelt, verwandelt sich dieser zum Auftakt des einstündigen Bläserkonzertes in ein hell aufloderndes Flammenmeer, das dem Geschehen noch mal einen zusätzlichen Akzent verleiht. Wohlgemerkt, gebraucht hätten´s die Rheintaler Trompes nicht, aber schön war´s schon…! Ich durfte schon manches Konzert und manche Hubertusmesse erleben, aber was und wie diese Gruppe vorträgt, ist grandios. Und ihr „Les Pleurs du Cerf“ (Die Tränen fdes Hirsches) fand seinen Widerhall in den Augen so manchen Zuhörers.



Stimmungsvoller Fortgang. In der „Schmiede“ wird prickelnder Aperitif gereicht, danach Einstimmung der Gesellschaft auf den Abend durch den Präsidenten und den Clubmaster des BHC, abgerundet von sehr herzlichen Worten des Hausherren. Der prasselnde Kamin und großkalibrige Kerzen tragen das Schlosshof-Flair herein in den hohen Saal, und die Bläser fachen es weiterhin an. Wildscheinbraten, dunkles Bier, roter Wein…was für ein Abend. Der großartige Bernd Schiel ergreift das Wort, resümiert bewegt - bewegend die von seiner Gattin Bruni, von ihm und so manchem Freund geprägte Jahre des BHC, um dann seine Demission als Clubmaster einzureichen. Dankeswort des Präsidenten, gefolgt von der spontanen Bläserantwort „L' Adieu des Maîtres“, die Gesellschaft erhebt sich von ihren Plätzen – ein denkwürdiger Augenblick!



Der Abend schreitet voran, der Saal leert sich, nicht aber die Gläser, und irgendwann setzt sich Hubertus zu den Dagebliebenen. Die Bläser haben ihn gleich erkannt und geehrt – immer und immer wieder. Dazwischen der eine oder andere Gesang – Reiterlieder, Wilderermoritaten, und was hoch bewegte Seelen aus gut geölten Kehlen noch so alles hervor zaubern können!

Diedersdorfer Resümee: Freund Detlef hatte Recht!

Text: Dr. Harald Mayer    
Fotos: Klaus-Dieter Baumgart und Gero Schreier